Herxheim 2

Die "Kannibalen" aus Herxheim (Pfalz) - Teil 2

Hauptaugenmerk im Album:

Die Grubenanlage von Herxheim hat bisher Reste menschlicher Skelette von mindestens 450 Personen geliefert, dazu Deponierungen von Tierknochen und mit Absicht zerstörte Gegenstände wie Mahlsteine und Keramikgefäße.

Die große Menge der Skelettteile ist untypisch für eine einzelne Siedlung. Schnittspuren weisen darauf hin, dass die Haut abgezogen wurde, Sehnen durchtrennt wurden, um Gliedmaßen abzutrennen und Körperteile systematisch entfleischt wurden. Die Spuren seien solchen vergleichbar, die man an den Knochen geschlachteter Tiere findet.

Die Untersuchung der von Kalksinter gereinigten Knochen und der daran befindlichen Schnittspuren brachte Bruno Boulestin,einen Anthropologen der Universität Bordeaux zu der Vermutung, dass die gefundenen Knochen Reste kannibalischer Mahlzeiten seien.

Bei den Knochenfunden, bei denen kleinere Knochen wie z. B. Hand- und Fußwurzelknochen fast vollständig fehlen, handelt es sich vielleicht um Zweitgrablegungen von Bandkeramikern aus weiten Teilen Europas. Funde weisen auf Verbindungen zum Pariser Becken, der Moselgegend, Belgien, dem Saarland, Mitteldeutschland und Böhmen. Es wurden Tonscherben mit Bandmustern gefunden, wie sie in diesen weit entfernten Siedlungsgebieten üblich waren. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich in Herxheim ein zentraler Kultplatz der europäischen Linienbandkeramik befand. Vielleicht wurden Tote, die in ihrer Heimat schon einmal bestattet gewesen waren, hierher gebracht, um an diesem Kultort noch einmal beigesetzt zu werden. Archäologen vermuten hierbei ein Totenritual, auf das auch diverse Schäden an den Skeletten hinweisen.

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