Herxheim Teil 1

Die "Kannibalen" aus Herxheim (Pfalz) - Teil 1

Einführung:

Eine Reise in die Bandkeramische Kultur, auch Linienbandkeramische Kultur oder Linearbandkeramische Kultur genannt,die älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit(Neolithikum)
mit permanenten Siedlungen in ganz Mitteleuropa.Der Name leitet sich von der charakteristischen Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien ab.

Bandkeramik war in Westungarn(Transdanubien),
Rumänien,der Ukraine,Österreich,der Südwestslowakei,Mähren, Böhmen,Polen,Deutschland und Frankreich(Pariser Becken, Elsass und Lothringen) verbreitet und ist als größte Flächenkultur des Neolithikums zu betrachten.

Die Bandkeramische Kultur zeichnete sich durch charakteristische Langhäuser aus (Rosdorf,Mühlengrund),die in kleinen Gruppen auf sogenannten „Hofplätzen“ zusammenlagen. Die Häuser hatten eine Grundfläche von bis zu 40 m x 8 m (kleinere Bauten etwa 20 m x 5 m). Sie bestanden aus einem Gerüst von 3 parallelen Pfostenreihen.Die äußeren Pfostenreihen waren zum Teil mit lehmverputzten Rutengeflechten zu Wänden gearbeitet, das auf den Pfosten sitzende Satteldach vermutlich mit Stroh, Schilf oder Rinde gedeckt. Die Häuser waren in der Regel nordwest-/südöstlich orientiert, wobei die Wände des nordwestlichen Teils zum Teil aus Spaltbohlen bestanden; im südöstlichen Teil befand sich möglicherweise eine Zwischendecke.

Das charakteristische dreigliedrige Langhaus war jedoch nicht der einzige Haustyp. Es gab insgesamt drei verschiedene Grundpläne von Häusern, die modular zusammengesetzt waren. Ausgangspunkt war das zentrale Modul (Kleinbau). Daneben gab es als Variante das zentrale Modul mit dem nordwestlichen Anbau (Bau).

Vom Zentralbau wird anhand der Pfostenanordnung, der sog. Y-Stellung im Mittelteil eine frühe und späte Form unterschieden. Wobei diese Pfostenstellung bei letzterem nicht mehr vorkommt.


Hierzu gibt es Bilder

Für die Bandkeramik im Rheinland ist ein Austauschsystem für Silexartefakte nachgewiesen. Hierbei wurden Feuersteinrohstücke und sogenannte Grundformen(Abschläge,Klin
gen,Kerne etc.), aber auch fertige und halbfertige Geräte (z.B. Bohrer, Sichelklingen, Kratzer) von Siedlung zu Siedlung weitergegeben. Es existierte ein Netzwerk aus größeren Haupt- bzw. Zentralsiedlungen (z.B.Langweiler 8 ), kleineren Nebensiedlungen bzw. Weilern und Einzelhöfen. Im Allgemeinen waren die kleineren Siedlungen meist von den benachbarten größeren Siedlungen abhängig. Der Austausch, dem mutmaßlich mehr soziale Aspekte zugrunde lagen als ein wirtschaftlicher Handel im eigentlichen Sinne, fand auch über weite Strecken statt. So gelangte z.B. Rullen- und Rijholt-Feuerstein aus der niederländischen Provinz Limburg bis ins Rheinland.

Nach Intra-Site-Analysen, d.h. Untersuchungen zu den Vorgängen innerhalb eines Fundplatzes, sind solche Austauschsysteme auch innerhalb bandkeramischern Siedlungen anzunehmen. Diese Vorgänge sind vermutlich auf verschiedene soziale Gruppen innerhalb der Siedlungen zurückzuführen.

Archäologisch lassen sich erstmals sogenannte Erdwerke nachweisen, große Anlagen mit Gräben, Wällen und Palisaden, die manchmal, aber nicht immer, nach den Haupthimmelsrichtungen orientiert sind. Manche Erdwerke sind kreisrund, andere elliptisch, wieder andere sind unregelmäßig rund.

Lange Zeit wurden Erdwerke als Anlagen mit kontinuierlich angelegtem Grabenzug angesprochen. Aufgrund der Beobachtungen in Herxheim und Rosheim muss man sie als Grubenanlagen einordnen. Aufgrund ihrer Bauweise aus sukzessiv entstandener, einzelnen einander überlagernden Langgruben, kann eine Verteidigungsfunktion ausgeschlossen werden. Diese Bauweise besteht indes neben der mit kontinuierlichem Grabenzug. Das Bestehen von Erdwerken ohne Verteidigungscharakter kann somit als gesichert gelten. Ob die anderen Anlagen eine derartige Funktion hatten wird angesichts der kultischen Bedeutung fraglich.
 

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